Konzertprogramm 2022 «Transformationen»

Transformationen (vom Lateinischen: transformare «umformen») im Sinne eines grundlegenden Wandels einer Eigenschaft finden alltäglich im Kleinen oder alle Lebensbereiche betreffend im Grossen statt. Transformationen in der Kunst können in diesem Kontext von motivischer Veränderung über spannende Metamorphosen bekannter Themen, die Entwicklung unerhörter Klangfarben durch neue Instrumentierungen oder durch die Kombination unterschiedlicher Formen der Kunst, beispielsweise akustischer und visueller Elemente, zu neuen Eindrücken führen. 

Auftragswerk 2022

Mit dem SSWO-Auftragswerk wurde der in Wien lebende Schweizer Jazz-Musiker und Komponist Mathias Rüegg bedacht. Der langjährige Leiter des Vienna Art Ensembles,der von Kritikern gleichwohl als «Grenzgänger» zwischen Jazz und Klassik sowie als «Jongleur der Musikgeschichte» gesehen wird, nimmt die Herausforderung an, Gershwins wohl bekanntestes Werk, die «Rhapsody in Blue», neu zu interpretieren, ohne dabei die visionären Konzepte des Werkes aus den Augen zu verlieren. Im Auftrag des Swiss Symphonic Wind Orchestra entsteht so, auf Basis des optimistischen, lebensbejahenden Originals für Klavier und Orchester, ein sprühendes, opulentes und mitreissendes Werk, dessen Solopart, einer letzten Transformation gleich, durch den brillianten Solisten Manuel Leuenberger an der Marimba dargeboten wird. Ein echtes Stück amerikanischer Musikgeschichte – umgeformt und adaptiert für blasorchestrale Bigband-Swissness.

Visuelles Konzept

Bilder vor dem inneren Auge – und Bilder, die das Orchester wie ein Bühnenbild umgeben. Das Thema «Transformationen» wird durch das Multimedia-Kollektiv pulp.noir auch auf der visuellen Ebene umgesetzt. So beginnt das Konzert im Dunkeln und wandelt sich allmählich zu einer farbigen Bilderwelt. Sinnbildlich für diese Transformation ist das Eröffnungsstück «Aurora Awakes», denn es beschreibt die letzten Minuten der Nacht bevor die Sonne aufgeht. In vollem Licht spielt das Orchester erst, wenn das nächste Stück beginnt: «Bilder einer Ausstellung» von Modest Mussorgskij.

Nach der Pause kehrt sich die Ton/Bild-Beziehung um, und es kommt zu einer grösseren Transformation: Während zuvor die Musik von Bildern inspiriert war, kommen jetzt Videobilder ins Spiel, die von der Musik inspiriert sind. Das heisst, die Visuals gehen von den Stimmungen, Farben und Intensitäten der jeweiligen Komposition aus und folgen ihr oft sogar recht eng. Die Musiker:innen sind die Hauptakteur:innen, und die Idee ist, sie in «virtuellen» Umgebungen in Szene zu setzen.

Mit der Rhapsody in Blue endet der Abend mit einem fulminanten Big Band-Auftritt in einer nächtlichen Jazzclub-Atmosphäre. Und damit schliesst sich dann auch der Kreis, nachdem das Konzertprogramm mit «Ante Lucem» kurz vor Tagesanbruch begonnen hat

Aurora Awakes

John Mackey (*1973)

Bilder einer Ausstellung

Modest Mussorgskij (1839–1881) 
Arr. Tohru Takahashi

Transformationen

Albert Benz (1927–1988)

Recycling

Benedikt Hayoz (*1984)

Rhapsody in Blue

George Gershwin (1898–1937)
Arr. Mathias Rüegg (*1952)

SSWO-Uraufführung 2022

Solist: Manuel Leuenberger, Marimba

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